Das Lipizzaner-Tagebuch - Archiv

9. Juni

 

Endlich gibt es wieder neue Nachrichten von Ravenna und Fantasca!

Die letzten Monate sind schnell vergangen, die beiden haben immer wieder eine Arbeitspause bekommen, wenn ich das Gefühl hatte, daß der 'Speicher voll' war. Ansonsten ging die Arbeit an der Longe beständig weiter und das Reiten nahm immer mehr Raum ein.

 

 

 

 

Ravenna bei der MorgenarbeitRavenna ist immer noch sehr hengstig, weshalb er Mitte Februar auf meine Gertenhilfe etwas überreagiert und mich im hohen Bogen abgesetzt hat! Eine sehr elegante Bewegung hat er gemacht, und sie kam so überraschend und auch energisch, daß ich keine Chance hatte und einen gestreckten Salto hingelegt habe. Ehrlichgesagt hat mich das ganz schön erschüttert, weil er tatsächlich das erste junge Pferd ist, das mich in der Anreit-Phase abgesetzt hat. Aber nun ja, alles passiert zum erstenmal, nicht wahr? Ich bin im mich gegangen und habe die Ursachen analysiert: Spannungen körperlicher und psychischer Natur bei Pferd und Reiterin, touchieren an der falschen Stelle, elektrisches Pferd - und dann kommt sowas von sowas! Überhaupt habe ich festgestellt, daß Ravenna deutlich sensibler ist, als man annehmen könnte, weil er doch eher robust und bullig wirkt. In bezug auf Sattel ist er sehr empfindlich, ich mußte mehrere verschiedene Sättel ausprobieren, bis ich einen gefunden hatte, bei dem er nicht 'klemmt'. Er neigt beim Reiten dazu, sich im Rücken fest zu machen, weshalb ich sehr darauf achte, daß er gut vorwärts geht. Abgesehen von diesen 'Problemen' ist es weiterhin eine Freude, mit ihm zu arbeiten, weil er immer bei der Sache ist und mir sehr zugewandt! Ideal für ein Reitpferd! Und seine Bewegungen sind der pure Genuß, sowohl Trab als auch Galopp ist sehr weich und geschmeidig. Schritt ist nicht seine bevorzugte Gangart, er fängt immer wieder an zu zackeln und auch gegen die Hand zu gehen. Daran arbeiten wir noch! Die Hauptarbeit bei Ravenna ist im Moment: Zirkel, ganze Bahn, Trab, Galopp, achten, daß er sich nicht verhält und locker vorwärts geht.

 

 

 

 

 

Fantasca bei der MorgenarbeitFantasca hat lange Zeit noch mit seinen OP zu tun gehabt, immer wieder Schwellungen und leichte Entzündungen, auch leichtes Fieber. Er hatte also noch bis Ende April Schonzeit. In dieser Zeit sind wir aber trotzdem gut weitergekommen, Fantasca hat überhaupt keine Verspannungen, keine Blockaden oder etwas in dieser Richtung, wodurch das Arbeiten mit ihm sehr leicht geht. Er läßt sich sehr gut 'führen', er diskutiert nur, wenn er etwas nicht versteht und er hat ein großes Talent dazu, sich hinzugeben. Was natürlich fürs Reiten ideal ist! Da sein Galopp nicht so ausbalanciert ist wie Ravennas, muß er beim Reiten noch nicht galoppieren, was Ravenna sehr gerne macht! Unsere Arbeit umfaßt im Moment: Zirkel, ganze Bahn, Schlangenlinien durch die Bahn im Schritt und Trab, Vorhandwendung. Und Anhalten. Das ist für Fantasca eine extrem schwere Übung, er sieht darin nicht viel Sinn. Außer er bekäme ein Leckerli! Er dehnt sich unter dem Sattel sehr schön an die Hand (auf dem Foto grade mal nicht...), kann auch schon sehr gut in Innnenstellung gehen. Also: alles in allem ein Naturtalent!

Heute der erste Ausritt mit Fantasca, an der Seite eines erfahrenen Haflingers. Alles war sehr entspannt, keine Ängste, einmal ist er kurz erschrocken, aber nicht weggerannt. Man merkt die gute Kinderstube!!!

4. Februar

 

Letzte Woche Freitag hat Ravenna eine osteopathische Behandlung bekommen, da mir aufgefallen war, daß er hinter dem Widerrist auf der rechten Seite einen Muskel deutlich mehr entwickelt als auf der linken Seite. Christian Gaudron, der Osteopath aus Toulouse, hat sich eine Stunde mit Ravenna beschäftigt und zwischendurch gefragt, ob er sehr rennt und eher läuft wie eine Lokomotive...?? Genau das war mein Wort für Ravennas Fortbewegungsart! Er hatte eine deutliche Blockade in der Lende, und jetzt hoffe ich, daß er anfangen kann zu tragen und nicht mehr so ziehen muß. Dieser deutlich ausgeprägte Muskel muß etwas mit diesem Ziehen statt Schieben zu tun haben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht! Wundern tue ich mich nicht über die Blockade, der Wilde Kerl hat auch immer ganz schön heftig gekämpft mit den Anderen...


Fantasca hat immer mal wieder Schwellungen im Bauchbereich, was aber wohl bis zu einem halben Jahr nach der schweren OP auftauchen kann und nicht besorgniserregend ist. Er arbeitet wunderbar mit, ist sehr sehr geschmeidig und sehr vertrauensvoll. Sattel und Trense sind völlig normal für ihn, ich glaube, ich muß mir jetzt dringend jemanden suchen, der ihn festhält, während ich aufsteige! Ich freu mich sehr auf diesen Augenblick...Schuterherein, Übertreten, Schritt, Trab, Galopp an der Longe sind für ihn inzwischen Routineübungen... er lechzt nach mehr!!!

Leider keine aktuellen Photos im Moment.

19. Januar

Ravenna hat immer noch Schonzeit, zweimal habe ich ihn wieder longiert, und das Rennen ist tatsächlich besser geworden, er kann sich jetzt schon biegen, ohne davonstürmen zu müssen. Sein Körper ist aber immer noch in der Umformung, also lasse ich ihn noch in Ruhe.
Fantasca hat den Sattel ohne Probleme akzeptiert! Ich dachte eigentlich, daß es schwierig werden könnte, aber es sieht so aus, als hätte er Vertrauen zu mir gefaßt. Es lohnt sich, sich richtig Zeit zu lassen!


Nach getaner Arbeit

Da ich leider im Moment keine Möglichkeit habe, die beiden zusammen auf der Koppel zu halten, lasse ich sie jetzt jeden Tag gemeinsam in der Halle laufen. Sie sind am Anfang sehr wild miteinander, großes Gekreische, aber sie sind einander ebenbürtig und so hat Ravenna keine Veranlassung, seinen Jagdtrieb auszuleben! Ich hoffe sehr, daß er im Sommer die rangniederen Pferde auch in Ruhe läßt, sodaß er mit der Herde rauskann.

 

6. Januar

 

Silvester ist gut überstanden! Keine besonderen Vorkommnisse, die beiden Burschen waren sicher im Stall und waren sehr ruhig.
Ravenna bekommt grade eine Pause, weil er wächst und mit seinem Körper beschäftigt ist. Außerdem sieht es ziehmlich wild in seinem Maul aus, die Zähne müssen sich erst noch sortieren. Deshalb habe ich mich entschieden, ihm eine zwei-bis dreiwöchige Auszeit zu geben. Das Rennen an der Longe müssen wir nach der Pause bearbeiten, aber im Moment kann er sich nicht gut selber tragen, da er total überbaut ist.


 

Fantasca mit Sattel an der LongeFantasca entwickelt sich wunderbar, die letzten Fäden an seinen OP-Narben sind entfernt und er bewegt sich seit einer Woche deutlich lockerer. An der Longe geht er mühelos vorwärts-abwärts und zieht nicht nach außen, drückt aber auch nicht nach innen. Ein gutes Zeichen, er scheint gut im Gleichgewicht zu sein! Die anfänglichen Unsicherheiten sind verschwunden. Er braucht am Anfang immer viel Zeit, um mit Neuem klarzukommen, aber dann hat er ein großes Talent, sich hinzugeben.

Das Gebiß war sehr erschreckend für ihn, kaum war es in seinem Maul, ist er auch schon geflüchtet! Eine typische Verhaltensweise für Fantasca, also muß ich darauf achten, alles Neue gut 'schmackhaft' zu machen. Im wahrsten Sinne des Wortes, er ist nämlich sehr verfressen. Was eindeutig ein Vorteil ist!

Aber auch dieser Schreck ist überwunden, inzwischen trägt er die Trense wie ein Alter!

Ich freue mich sehr auf ein spannendes Lipizzaner-Jahr!

6. Dezember

Ravenna schnell an der LongeMit Ravenna geht es sehr gut voran! An der Longe entwickelt er ein sehr hohes Tempo, das ich ihm im Moment noch lasse. Er hat sichtlich Freude daran, sich zu bewegen und das möchte ich nicht einschränken! Er geht aber auch auf kleineren Kreisen und läßt sich immer öfter schon vorwärts-abwärts fallen.


 

InzwiRavenna das erstemal alleine gerittenschen bin ich zum fünften Mal auf ihm gesessen, die ersten beiden Male nur im Schritt an der Longe, dann wollte er unbedingt traben und ich durfte mich an seiner weichen raumgreifenden Bewegung erfreuen! Das nächste Mal haben wir die Longe am Schluß weggelassen und ich bin zwei Runden alleine geritten! Das ist immer wieder ein sehr schönes Gefühl, wenn ein junges Pferd seine ersten selbständigen Schritte unterm Sattel macht. Heute hat er dann auch noch den Trab ohne Longe angeboten, und es hat wunderbar zwei Runden auf dem Zirkel funktioniert. Die Voraussetzung für diese Arbeit ist für mich immer, daß die 'Bremse' intakt ist, dh. ich muß das Pferd langsamer machen können. Ravenna reagiert auf alle Hilfen sehr sehr willig. Es ist eine große Freude, mit ihm zu arbeiten!

 

 

 


 

Fantasca das erstemal an der LongeUnterdessen hat Fantasca heute seine erste Lektion in der Halle bekommen! An der Longe mit Kappzaum um mich rum laufen! Das hat er sehr sehr schnell verstanden, auch wenn er am liebsten nur losgeknattert wäre. Er hat schließlich Aufholbedarf von ca. 8 Wochen, in denen er nur in der Box stand oder im Schritt 10 Minuten gehen durfte. In den letzten Tage bin ich länger mit ihm spazierengegangen, und ich finde, er war sehr sehr brav, auch wenn er seine wahre Bestimmung gefunden hat: er ist ein Kaprioleur! Hoch, Hinterbeine raus, auf allen Vieren wieder ankommen, sich in Ruhe umschauen, weitergehen. Diese Bewegung hat er jetzt tatsächlich schon dreimal gezeigt. Das Problem wird evtl. werden, sie abrufbar zu machen und vor allem sie zu verhindern, wenn ich es nicht möchte! Also: es verspricht sehr interessant mit ihm zu werden...


Fantasca übt KaprioleDas Zweite Mal an der Longe ist er schon mutiger geworden. Hier ein Schnappschuß vom Anfang einer Kapriole...

12. November

Auch Ravenna übt die Lektionen über der Erde

Ravenna ist in der Herde und übt schonmal die Schulen über der Erde.
Er ist deutlich junge Hengste gewohnt und benimmt sich den Alten gegenüber wie die Axt im Walde. Aber das wird schon noch!
Er ist nun mal ein Junger Wilder!


Ravenna mit Sattel an der LongeSattel und Trense sind kein Problem für ihn, 400 Jahr Zucht sind schon was wert!
Bei der Arbeit ist er immer aufmerksam und willig, immer interessiert und sehr unerschrocken.
Wir fangen jetzt an, Arbeit an der Hand zu machen, um ihm die Funktion des Gebisses klarzumachen, und dann steht dem Reiten nichts mehr im Wege...


 

Fantasca wurde unterdessen zweimal 4 Stunden operiert und kann sich jetzt tatsächlich auch Wallach nennen. Es war eine schwere Geburt, und er wird noch eine ganze Weile brauchen, um sich von den Strapazen zu erholen. Den Umständen entsprechend ist er ein echter Schatz!!!

16. Oktober

Ravenna Linke Hand an der Longe

Ravenna hat zum Drittenmal an der Longe gearbeitet. Er kennt schon Schritt, Trab, wieder Schritt. Auf der linken Hand galoppiert er wunderschön! Auf der rechten Hand ist er ein wenig unausbalanciert, er fällt auf die linke Schulter und zieht daher sehr nach außen weg.


Ravenna im Schulterherein/Übertreten

Deshalb üben wir Schulterherein, um die Balance halten zu lernen!

 


Ravenna hat schon fast eine Reiterin

Ich lehne mich schon über ihn, mein Gefühl sagt mir, er fände es überhaupt nicht schlimm, wenn ich draufsitzen würde. Hauptsache, das Leckerli kommt!!!

 

 

 

 

 

 

 

Ravenna wundert sich!

Ein Gebiß ist aber schon ganz schön überraschend... das kann man ja gar nicht essen!!


Nach getaner Arbeit!Wieder auf der Koppel!!! Fantasca hat schon gewartet!

7. Oktober

Ravenna ist wieder fit!

Nur Ravenna ist kein echter Mann mehr!!! Es geht ihm sehr gut, er hat die Kastration gut überstanden.
Bei Fantasca haben wir leider einen kleinen, aber wesentlichen Teil nicht gefunden... es wird daran gearbeitet...

2. Oktober

Fantasca im Galopp in der Halle

Die letzten Bilder als echte Männer!!! In der Reithalle fühlen sich beide schon sehr wohl und zeigen ihre Bewegungen...

 

 

 

 

 

 

 

 

Ravenna in der Halle

1. Oktober

Ravenna möchte gerne zu seiner künftigen Herde! Er ist jetzt schon zum drittenmal unter dem Zaun durchgeschlüpft, eine Koppel näher zu den Anderen... leider muß er noch ein wenig warten, bis er zu ihnen darf. Fantasca ruht in sich selbst und läßt den Ausreißer einfach laufen!

20. September

 

Die beiden Lipizzaner sind jetzt eine Woche hier und können schon Hufe geben, kennen die Halle und haben gelernt, Leckerlis zu mögen! Ravenna ist sehr cool und umgänglich, ich kann alles mit ihm machen, er ist immer interessiert. Fantasca ist ein wenig sensibler, hatte mehr Probleme, sich einzugewöhnen, er braucht viel Vertrauen. Beide sind sehr verschmust und lieben es, geputzt zu werden.

14. September

Ravenna auf der KoppelFantasca auf der KoppelNach sechseinhalb Stunden Fahrt sind wir mit den beiden Burschen - Siglavy Fantasca III und Maestoso Ravenna III - am 13. September in Hub eingetroffen. Sie waren sehr brav und nervenstark und haben schon bewiesen, daß einen Lipizzaner nichts so schnell erschrecken kann.

Die nächsten Tage haben sie ein wenig Zeit, sich in ihrer neuen Heimat einzugewöhnen, bevor die Arbeit beginnt!

« Zurück zur Termine & News